Convergence VTOL PNP

von E-Flite, Horizon Hobby

Bericht von Peter Schütz

seit März 2017. Anzahl Flüge (bzw. Akkus à 5 Minuten) 8 / Status: flugbereit

 

Technische Daten

  • Spannweite: 650 mm
  • Länge: 680 mm
  • Fluggewicht: ca.770 g
  • RC-Funktionen: Spezial
  • Flugakku: 3S, 11.1V LiPo, 2200 mAh / 2600mAh
  • Empfänger: Jeti Duplex R5L

Convergence VTOL
Convergence VTOL

 

Es gibt manchmal neue Entwicklungen, an welchen ich als Modellpilot nicht vorbei kann, ohne sie auszuprobieren. Der E-Flite Convergence gehört zu dieser Sorte Modell. Wie bezeichnet man ein solches Modell? Es ist eine Art Flugzeug, welches die beiden Frontmotoren so aufstellen kann, wie man das von Multicoptern kennt. Oder eine Art Drohne, welche auch wie ein Flugzeug fliegen kann.
Jedenfalls spannend für jemanden wie mich, der mit Helis das Modellfliegen begonnen und dann zu Flächenmodellen gewechselt hat.

Convergence VTOL Convergence VTOL

Das Unboxing-Blabla und die übliche Lobhudelei erspare ich dir. Dass das Modell unter dem Label E-Flite erscheint, sagt bereits genug: die Qualität stimmt und das Modell fliegt. Lass uns stattdessen lieber ein wenig das Handling im Alltag anschauen.

E-Flite verspricht, dass das Modell einfach zu programmieren sei und keine besonderen Anforderungen an Sender und Programmierung stellt.

 

Wie geht das mit einem Non-Spektrum Empfänger?

Die PNP-Version des Convergence wird ohne Empfänger geliefert. Ich ging ursprünglich davon aus, dass mir damit die bekannte Asterix (AS3X) Stabilisierung nicht zur Verfügung stehen wird, da ich eben keinen Spektrum-Sender und -Empfänger verwende. Falsch gedacht: Im Modell ist nämlich ein Elektronikbaustein eingebaut, in welchem Asterix und die Flugmodi bereits vorprogrammiert sind. Man legt im Sender lediglich ein normales Flächenmodell mit 1 Querruder und Kreuzleitwerk an und verkabelt die Kanäle für Motor, Quer, Höhe und Seite mit den beigelegten Patchkabeln vom Empfänger zum Elektronikbaustein. Auf Kanal 5 liegt Asterix, auf Kanal 6 die Modellmodus-Umschaltung. Die letzten beiden Kanäle legt man sich auf einen Schalter und dann ist man im Prinzip bereits startklar.

Im Drohnenmodus ist die Querruderfunktion deaktiviert. Deshalb kann ich diesen Modus auch nicht "Heli-Modus" nennen. Das Flugverhalten und die Anforderungen an den Piloten entsprechen einer Drohne. Die Nickfunktion wird interessanterweise so realisiert, dass die Motorengondeln sich leicht nach vorne und hinten drehen. Ebenso wird für die Gier-Funktion ein Motor nach vorne und der andere nach hinten geneigt. Simpel, aber effektiv.

Im Flugzeugmodus wird der vertikale Propeller hinten ausgeschaltet und für die Steuerung sind Quer- und Höhenruder wirksam, wie man das von normalen Deltamodellen kennt. Mir scheint, dass das machbar ist, also ab zum Fliegen.

 

Erstflug

Zum Einschalten legt man das Modell auf eine flache Stelle und steckt den Akku ein. Die Motoren begeben sich nun in eine Zwischenstellung und schauen ca. 45° nach oben. Das Modell initialisiert sich und nach ca. 10 Sekunden richten sich die Motoren in den Drohnenmodus aus.

Ich gebe Gas, die Motoren drehen hoch und... es passiert nix. Mehr Gas, immer noch nix. Ich habe den Eindruck, dass das Modell an den Boden gepresst wird. Die Hand darüber gehalten bestätigt den Verdacht, da bläst ein zünftiger Luftstrom nach oben. Ich Depp hab die beiden Propeller vertauscht und übersehen, dass einer links- und der andere rechtsdrehend ist. OK, wenn's nur das ist.. Propeller getauscht und nochmal probiert und siehe da, der Convergence fliegt (wie eine Drohne).

Im Asterix-Modus stabilisiert sich das Modell so stark, dass man als Pilot nur das Gasmanagement im Griff haben muss. Das Verhalten des Modells würde ich so als einsteigertauglich bezeichnen.

 

Umschalten in den Flugzeugmodus

Das erste Mal in den Flugzeugmodus umzustellen, ist ein spezielles Erlebnis. Zuerst wird die Motorleistung unmittelbar erhöht. Da man das ja vorher nicht weiss, steigt das Modell einige Meter nach oben und dann geht's los: die Motoren beginnen zu eiern, es klingt genau so, wie bei einem leeren Akku in einem Parkzone Flieger: woo woo woo woo woo woo woo, der Heckmotor drückt die Nase runter, Asterix drückt sie hoch und wieder von vorne... da die Umschaltung ein paar Sekunden braucht, ist das Modell nun bereits gut 100m weit weg... man traut sich ja nicht, während dem ersten Umschalten eine Kurve zu fliegen. Als nächstes wird's auf einmal still ! Man erschrickt und denkt "Nein! Der Regler hat zu gemacht, ich segle gerade". So ein Mist. Wie gesagt, ist das Modell zu diesem Zeitpunkt weit, weit weg! Also drehe ich das Modell rein und stelle fest, dass Asterix unglaublich stark stabilisiert. Es wird ein Riesenturn! Trotzdem staune ist, wie gut das Modell offenbar segelt, oder ... hä? nein, siehe da, die beiden vorderen Motoren laufen ja noch, man hört sie bloss nicht! Dieses deutlich hörbare Abstellen des Heckmotors verunsichert einen die ersten Male immer wieder, ist aber offenbar modelltypisch und normal.

Zusammenfassung der Umschaltung: zuerst eiert das Modell durch die Gegend als wäre man komplett unfähig als Pilot, dann stellt der Motor ab und dann hat man ein sehr stark stabilisiertes Flugzeug am Knüppel, welches man nur mit 50m Radius um die Kurve kriegt. Sehr speziell...

Damit der erste Flug im Flugzeugmodus gelingt, braucht man definitiv als Flächenpilot Erfahrung und die gewisse Portion Abgebrühtheit, welche man Fortgeschrittenen zuspricht.

 

Zurück in den Drohnenmodus

Es geschieht dasselbe wie eben beschrieben, bloss in umgekehrter Reihenfolge. Wieder braucht das Modell 100-200m für die Umschaltung.
Nach einigen Versuchen checkt man, dass man besser in den Drohnenmodus schaltet, wenn das Modell 100m von einem weg ist, statt direkt vor seiner Nase. Das Modell wird langsamer und geht schliesslich wieder in den Schwebeflug über. Anfangs schwebt der Convergence dann einfach 100m von einem weg, aber eben, mit der Zeit hat man den Trick raus. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass zum Schluss der Umschaltung die Motorleistung wieder reduziert wird und man beherzt Gas geben muss, damit das Modell keinen Touch and Go macht.

 

Akromodus

Wie erwähnt, greift die Asterix-Stabilisierung relativ stark ein, so dass das stabilisierte Fliegen nur begrenzt Spass macht. Deaktiviert man jedoch Asterix, fühlt sich das Ganze gleich gaaanz anders an: nun steuert man auf einmal ein sehr agiles Deltamodell, welches durch die geringe Modell-Länge und vermutlich auch wegen dem grossen Loch in der Tragfläche, nur wenig eigenstabil ist. Jetzt rollt das Modell sehr ansprechend, Loopings und Abschwünge gelingen problemlos. Bloss nicht zu weit weg fliegen, weil grösser und besser sichtbar wird das Modell natürlich auch so nicht.

Bei genauerer Betrachtung hätte ich mir die Fläche so gewünscht:
Convergence VTOL

 

Erstes Fazit

Der Convergence eignet sich dort als Modell, wo man keine Landebahn, aber ein freies Flugfeld zur Verfügung hat. Frag mich nicht, wo das sein könnte. Vielleicht an Orten, wo der Boden steinig ist? Als Drohne ist das Modell weniger stabil als gängige Drohnen - als Flugzeug gibt es bessere Deltamodelle. So gesehen ist der Convergence weder Fisch noch Vogel. Die Kombination der Flugmodi aber, die hat schon was. Das Modell macht Spass, ist mal was anderes. Störend ist für mich nur das laute Gewobbel beim Umschalten in den Flugmodus. Vielleicht kriege ich das mit mehr Flugerfahrung noch besser in den Griff.

Vermutlich werde ich zukünftig nicht mehr direkt "Convergence fliegen gehen", das Modell aber öfters zusätzlich mitnehmen und zwischendurch einen Akku damit leer fliegen. 3S 2200mAh Akkus sind ja Standard und der Convergence hat mit der Summe seiner Eigenschaften definitiv das Zeug zur willkommenen und idealen Abwechslung.

 

 

E-Flite Convergence VTOL Maiden flight from Peter Schuetz on Vimeo.

 

Noch nicht getestet habe ich den Drohnen-Akromodus, welchen man gemäss ersten Videos auf Tube wohl auch Helimodus nennen kann.
Update folgt :-)

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  • 12.03.2017
  • Peter Schütz